Mit Koepfchen statt Oberarm

Stärke hat – genauso wie Größe – nicht nur mit körperlichen Fähigkeiten zu tun. Sie hat auch eine geistige, mentale Dimension.

Genau diese zweite Art von Stärke, die eher in den Köpfen als in den Oberarmen verortet ist, will das Projekt „Ich bin stark“ fördern. Unterstützt wird das Schul-Projekt von der Stadt Singen und Round Table Singen. Als neuer Sponsor wurde in dieser Woche der Verein „Aktion Hilfe für Kinder“ aus Bremen, der dem Projekt 3000 Euro zur Verfügung spendet, vorgestellt.

.

 

„Das Projekt ist uns in den letzten drei Jahren sehr ans Herz gewachsen. Gewaltprävention scheint uns wichtiger denn je“, erklärte Oberbürgermeister Oliver Ehret (CDU). Auch die anderen Beteiligten zogen eine positive Bilanz des Projekts, das im nächsten Schuljahr in seine vierte Runde geht. „Die Schüler geben uns sehr positive Rückmeldungen. Drittklässler fragen uns regelmäßig auf dem Schulhof, wann sie denn endlich dran kämen“, berichtet Kursleiter Thomas Colberg. Auch wissenschaftlich sei der Erfolg des Projekts, zumindest was die Schülerinnen angeht, belegt: 80 Prozent der Mädchen sehen ihre Problemlage nach dem Kurs als verbessert an, so eine Diplomarbeit, die an der Universität Konstanz verfasst wurde. Eine Untersuchung für männliche Schüler steht noch aus.

Das Projekt soll, darin zeigten sich alle Beteiligten einig, in den nächsten Jahren fortgeführt werden. „In ein paar Jahren werden fast alle Jugendlichen in Singen durch das Programm gelaufen sein“, erklärte Martin Burmeister, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Singen. Katja Kiefer, Jugendsozialarbeiterin an der Pestalozzischule und der Bruderhofschule, hob lobend hervor, dass das Projekt nicht nur an Grundschulen, sondern auch an Förderschulen durchgeführt wird.

Die Sponsoren hoffen, dass das Projekt langfristig zu einem Rückgang der Gewalt unter Jugendlichen führen wird. Laut einer Studie der Stadt Singen haben zwei Drittel aller Jugendlichen innerhalb des letzten Jahres Erfahrungen als Opfer von Gewalt, Diebstählen oder Sachbeschädigung gemacht. Bewusst wendet sich das Programm nicht an auffällige Jugendliche als potentielle Gewalttäter. Vielmehr geht das Projekt in die Breite, um Opferschutz zu betreiben und Selbstbehauptung zu üben.

Neben der Finanzierung von Round Table Singen von zirka 8000 Euro und der Stadt Singen von 7000 Euro jährlich hofft das Projekt auf weitere Unterstützer, vor allem durch Eltern junger Kinder. „Wir wollen in Zukunft die Eltern noch stärker einbinden und zwar sowohl inhaltlich als auch finanziell“, erklärte Thomas Colberg.

Sie wollen das Projekt „Ich bin stark“ stemmen (von links): Martin Burmeister (Stadt Singen), Katja Kiefer (Jugendsozialarbeiterin), Oliver Ehret (Oberbürgermeister), Thomas Colberg (Kursleiter), Rolf Rohloff (Aktion Hilfe für Kinder), Marietta Schons (Jugendsozialarbeiterin), Boris Hanuschke und Marc Burzinski (beide Round Table Singen). Bild: thomas Domjahn

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/singen/Mit-Koepfchen-statt-Oberarm;art372458,5593668